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16.05.2012

Mitteleuropa ist erloschen

Am 7. Juni erschien in der ungarischen Zeitschrift „Magyar Narancs“ ein Interview mit dem Schriftsteller György Spiró. Darin diagnostiziert er, dass in Ungarn das Ende der Friedenszeit angebrochen sei. Vor 22 Jahren sei eine strukturelle Krise ausgebrochen, die das Land bis heute nicht in den Griff bekommen habe. Hohe Arbeitslosigkeit, wachsende Armut, Emigration der Intelligenz…all diese Symptome würden den Begriff der Freiheit entleeren und zunichte machen. „Mitteleuropa ist erloschen und driftet ab gen Osten.“
 
Ein  gefährlicher Cocktail ist dabei, sich zusammen zu brauen: eine Mischung aus wirtschaftlicher Resignation, historischem Halbwissen, katastrophalen Ausbildungsverhältnissen und der politischen Infiltration mit Ideologien, die dem 19. Jahrhundert verhaftet sind.  Kein idealer Nährboden für die reflektierte Praxis von Frieden und Freiheit! „Jederzeit ist alles vorstellbar. Was geschah in Jugoslawien, etwa nicht Krieg?“
 
Gibt es Heilung von der Geschichte? Gibt es einen Begriff von Identität, der nicht Klischee ist?
 
In dieser ungeheuerlichen Landschaft haben zwei Doktoranden der Andrássy Universität, Timea Djerdj und Patrick Jajko, das Konzept für einen politischen Wachraum umgesetzt.   Am 15. Mai 2012 wurde die „Kossutheria“ eröffnet, ein Gegen-Ort zum einseitig national codierten „Kossuth tér“! Statt politischer Ideologie trifft der Besucher hier (nur noch bis September 2012) auf eine Ausstellung zu „Identity_ReadyMade?“, kuratiert von Wyl Kyria.
 
Unter dem Motto „Ausstellen ist das Exponieren von Argumenten“ stehen dem Besucher scharfe Positionen gegenüber. Die Künstler László Ruszty und Zsolt Hajdú haben historisch sakralisierte Gemälde der ungarischen Romantik, wie etwa die „Landnahme“ von Munkácsy, fotografisch nachgestellt. Damit kritisieren sie die „Heiligsprechung“ solcher nationaler Denkmäler, sie profanieren das Nicht-Profanierbare (G.Agamben).
 
Tatsache ist, ungarische Schulen und familiäre Tradition vermitteln diese Bilder noch heute als „historische Wahrheit“ und verbinden sie unhinterfragt mit nationaler Identität.  Aber ist es verwunderlich, dass diese Ideen in einer politisch und wirtschaftlich höchst instabilen Situation leicht Feuer fangen? Auf Identitätskonstruktionen kann nur der verzichten, der sich innerlich befreit hat. Wo aber keine Freiheit ist…
 
Die Künstlerin Hanna Tillmann thematisiert mit der Reihe „Strohkopf“ das Problem der Fremdheit. Fremdheit begegnet uns im Anderen und in uns selbst. „Auf befremdliche Weise ist der Fremde in uns selbst: Er ist die verborgene Seite unserer Identität“, schreibt die  Literaturtheoretikerin und Psychoanalytikerin Julia Kristeva in ihrem Buch „Fremde sind wir uns selbst“. Freilich, das ist weder bequem noch romantisch und eignet sich so gar nicht für ideologische Verklärungsmanöver.
 
Geben Sie also Acht, das Bild könnte Ihre politische Anschauung reflektieren!
 
„Je enger die Gesetze der Tradition, desto freier die Explosionen der Improvisation.“ (Jurij M. Lotman)
 
von Wyl Kyria
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