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03.04.2012

Vortrag von Prof. Dr. Margareta Mommsen

Während in Russland ein neuer Präsident gewählt wird und die politische Entwicklung des Landes eine gesellschaftliche Polarisierung hervorzurufen droht, regt sich auch andernorts das Interesse am Weg, den der russische Bär zukünftig gehen wird.
 
„Gesellschaftlicher Protest und autoritäres System in der Ära Putin 3.0“ – wie sich bereits hinter dem Titel des jüngst an der AUB organisierten Flashlights verbirgt, stand der vergangene Dienstag ganz im Zeichen der Präsidentschaftswahlen im flächenmäßig größten Staat der Welt.
Während zunächst etwas Verwunderung über die an ein Betriebssystem für Computer erinnernde Bezeichnung „3.0“ über dem Plenum lag, sorgte die Rednerin des Abends, Frau Prof. Dr. Margareta Mommsen, gleich zu Beginn ihrer Ausführungen für Klarheit in dieser Angelegenheit. Mit Verweis auf die nun beginnende dritte Amtszeit Vladimir Putins stellte sie die rhetorische Frage in den Raum, ob die genannte Nummerierung überhaupt gerechtfertigt sei – und spielte damit ganz offensichtlich auf die Zeit des Intermezzos an, in welcher Putin laut Meinung zahlreicher Experten bereits als Ministerpräsident an seinem Kreml-Comeback gearbeitet haben soll.
Mit allgemeiner Heiterkeit wurde die Aufzählung sämtlicher Heldentaten des alten und neuen Kremlherren entgegengenommen, dessen Kreativität bei der Darstellung seiner Selbst sich nicht im Zähmen von Wildtieren erschöpfte, sondern darüber hinaus auch die unterseeische Amphorenjagd mit einzubeziehen wusste.
Als ein Element dieses Personenkultes wurde von Frau Prof. Mommsen auch die gestärkte Rolle der Präsidentenvertikale ins Spiel gebracht. Ein darauf basierendes System könne den Anforderungen an eine effiziente und moderne Staatsorganisation jedoch nicht gerecht werden, da es an die Loyalität gegenüber der Person Putin gebunden sei. Konkurrenz, Elitenzirkulation und damit verbundene Anreize zur Beteiligung am politischen Prozess würden auf diese Weise behindert.
Anschließend erfuhren die interessierten Zuhörer von einigen Entwicklungen, die durchaus als ambivalent bezeichnet werden können: dem erst unter Putin zu einem nennenswerten Faktor emporgestiegenen städtischen Bürgertum, das nun aus politischer Unzufriedenheit zum Träger der Protestdemonstrationen avancierte; der angekündigten massiven Aufrüstung, welche Investitionen in eine modernisierungsbedürftige, unproduktive Wirtschaft verschlingen dürfte; dem Gefälle zwischen städtischem und ländlichem Raum in Russland.
Auch der „kleine Mann“ vom Lande, den Frau Prof. Mommsen liebevoll als „Ivan Ivanowitsch“ zu bezeichnen pflegte, wurde thematisiert. In Teilen politisch desinteressiert, könne anhand seiner Resignation gegenüber den politischen Gegebenheiten davon ausgegangen werden, dass von ihm keine Gefahr für die alte und neue Kremlführung ausgehen werde.
Bewusst zurückhaltend reagierte die Professorin auf Fragen nach dem Weg, den Russland in Zukunft beschreiten werde. „Alles ist offen“, lautete ihre ehrliche Prognose für die Erfolgsaussichten der mittelständischen Oppositionsbewegung gegen Putin sowie die Wahrscheinlichkeit einer Kooperationsbereitschaft zwischen regierungstreuem und –kritischem Lager. Gleichzeitig äußerte Frau Prof. Mommsen ihre Überzeugung, dass in Russland trotz der teils massiven Proteste vor allem in Moskau und St. Petersburg nicht mit einer überstürzten Revolution gegen den neugewählten Präsidenten und das von ihm etablierte System zu rechnen sei.
Begrüßt wurden die Besucher der Veranstaltung von Frau Prof. Dr. Bos, die in ihrer Eigenschaft als Leiterin des verantwortlichen Donau-Institutes für Interdisziplinäre Forschung den Abend moderierte. Mit ihrer Expertise auf dem Gebiet der politischen Systeme Ost-und Mitteleuropas leitete sie zum Thema hin und stellte die Gastrednerin vor.
Im Anschluss an die Ausführungen von Frau Prof. Mommsen gab es die Möglichkeit, sich auf einem Empfang mit erfrischenden Getränken zu stärken und die Diskussionen über das Thema fortzusetzen – oder sich anderweitigen Gesprächen mit alten und neuen Bekannten hinzugeben.
 

Christoph Strauch

BERICHT über den Vortrag von Prof. em. Dr. Margareta MOMMSEN │ 20.03.2012

Frau Prof. Dr. M. Mommsen - 20.03.2012

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