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Fakultätsexkursion MES 201502.06. – 05.06.2015
Bericht
Die diesjährige MES-Fakultätsexkursion führte am 2. Juni 2015 zunächst nach Serbien. Beim Grenzübertritt nach Bosnien und Herzegowina im Bereich der (Teil-)Republik Srpska in Stara Gradiška wurde aus reiner Willkür, eine rechtliche Grundlage bestand nicht, die Einreise einer deutschen Kollegin verwehrt. Die ungeheuer engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Botschaft in Sarajewo und an der Deutschen Botschaft in Zagreb konnten gegen die Präpotenz des kommandierenden Grenzbeamten nichts ausrichten. An Banja Luka vorbei, vielfach zerstört durch politische und tektonische Ereignisse, ging es weiter nach Sarajewo, wo am 3. Juni dem komplexen Beziehungsgeflecht politischer und religiöser Koordinaten im Stadtbild Sarajewos nachgegangen wurde. Frau Kamala Šertović vom „Regionalen Österreichisches Kooperationsbüro in Wissenschaft und Kultur Sarajevo“ (Regionalni Austrijski ured za naučnu i kulturnu saradnju Sarajevo) und ihr Mitarbeiter organisierten diesen atypischen Stadtrundgang, der die vielfachen Koordinaten der Kulturbeziehungen verdeutlichte und gleichzeitig ein radikales Statement gegen die Konstruktion von Ethnien darstellte. Eindrucksvoll wurde unter anderem an Hand einer Zigarettenschachtel gezeigt, dass es keine sprachlichen Unterschiede gibt und die nationale Konstruktion sich religiös fermentieren muss, um „Ethnien“ zu erfinden bzw. zu belegen. Der Nachmittag führte zu einer kleinen Konferenz in die Residenz des österreichischen Botschafters Mag. Martin Pammer, der einen historisch, soziokulturell untermauerten Vortrag hielt, in dem er auch die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation darstellte. Oberst Dr. Thomas Widrich, der Political Advisor des Kommandanten der EUFOR, der immer noch stationierten europäischen Militärmacht, und Mag. Andrej Kiendl, der innerhalb der Delegation der Europäischen Union in Bosnien und Herzegowina als Senior Political Advisor für die Policy and Programme Coordination wirkt, gingen auf die Sicherheitslage näher ein, die internationalen Hilfsprogramme und die Bemühungen um eine europäische Integration Bosniens und Herzegowina. Frau Dr. Dzevada Susko, Direktorin des Instituts für Islamische Tradition der Bosniaken, und Dr. Jakub Finci, Präsident der jüdischen Glaubensgemeinschaft in Bosnien und Herzegowina, thematisierten das politisch-nationalreligiöse Spannungsgeflecht. Das abschließende Essen in der Botschaft bot die Möglichkeit vertiefender Gespräche. Am 8. Juni verließen wir Sarajewo, wo wir in jenem Hotel gewohnt hatten, in dem während der Belagerung der Stadt die letzten verbliebenen Auslandskorrespondenten ihre Unterkunft hatten und welches jetzt nach der Renovierung ein wenig vom Charme der jugoslawischen Selbstdarstellung während der Olympischen Winterspiele spiegelt, um nach Mostar in die Herzegowina zu fahren. Eindrucksvoll konnte auf dieser Fahrt wiederum der Versuch, über Sakralbauten die Landschaft „national“ zu besetzen, studiert werden. Fertigteilmoscheen und ebensolche Kirchen, die zumeist jegliche Proportion vermissen lassen, bilden den Auftakt. Das osmanische, muslimische Mostar wird von einem neuen Kirchturm und einem Gipfelkreuz überragt, damit katholisch-kroatisch kontextualisiert und durch die Einbettung dieses neugeschaffenen „Markenzeichens“ in den in der Endphase Jugoslawiens erfundenen Marien-Kult im nahegelegenen Međugorje in den Rang der „kroatischnationalen Altäre“ erhoben. Das muslimische Mostar erschließt sich erst im Voranschreiten trotz des Massentourismus. An jener Stelle, an der im Krieg der 1990er Jahre die Synagoge zerschossen wurde, findet sich heute nicht einmal mehr eine Hinweistafel. Ein moderner Wohnblock schließt die Baulücke. Danach ging es ins dalmatinische Küstenland in das Weltkulturerbe Trogir, das wohl zu den schönsten geschlossenen Denkmälern venezianischer Herrschaft an der Adriaküste des heutigen Kroatiens zählt. Die lange Fahrt durch die Berge bis an die Küste unterstrich die Abgeschlossenheit historischer Kulturräume. Der Tag endete in Biograd südlich von Zadar. Der 5. Juni war der Heimreise gewidmet, wobei ein technischer Stopp in die Innenstadt von Zagreb führte. AUB/MES.
Programm 1. Tag 02. Juni Morgens Abfahrt ab Budapest über Banja Luka (Besichtigung) nach Sarajevo, Abendessen und Nächtigung im ***Hotel Holiday. 2. Tag 03. Juni Stadtrundgang und Gespräch über Kulturdiplomatie in einer Krisenzone; Vortrag des österreichischen Botschafters in Bosnien und Herzegowina, des Handelsdelegierten und des Kommandanten der internationalen Streitkräfte, Empfang des Botschafters 3. Tag 04. Juni Fahrt nach Mostar (Besichtigung), Weiterfahrt nach Biograd na moru, Abendessen/Nächtigung im **** Hotel Kornati. 4. Tag 05. Juni Nach dem Frühstück Heimreise über Karlovac, Zagreb nach Budapest. Studentischer Beitrag 80 Euro. Anmeldung: zsuzsanna.pletenyik@andrassyuni.hu
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